Marktgemeinde im Herzen des Mittelburgenlands – 2.046 Einwohner, fünf Ortsteile, eine Burg mit 800 Jahren Geschichte.
Die wichtigsten Daten zur Marktgemeinde auf einen Blick.
Kontakt, Adresse und Parteienverkehr der Marktgemeinde Lockenhaus.
Die Großgemeinde Lockenhaus besteht aus fünf Ortschaften – jede mit eigenem Charakter.
Der Hauptort mit der Burg, dem Gemeindeamt und den meisten Geschäften. Historischer Markt mit langer Tuchmacher-Tradition.
1.101 EinwohnerBenannt nach der ehemaligen Glashütte bei Langeck. Ruhige Wohngegend am Rand des Naturparks Geschriebenstein.
325 EinwohnerBesteht aus den Siedlungen Hammer und Teich. Der Name erinnert an den Eisenhammer, der hier ab dem 15. Jahrhundert am Günsbach betrieben wurde.
238 EinwohnerHöher gelegener Ortsteil mit weitem Blick über das Günser Gebirge. Landwirtschaftlich geprägt.
191 EinwohnerDer südlichste Ortsteil, umgeben von dichten Wäldern. Beliebt bei Wanderern und Naturliebhabern.
191 EinwohnerDas Wahrzeichen der Gemeinde – eine der ältesten Burgen des Burgenlandes.
Die Burg Lockenhaus (ungarisch Léka) wurde um das Jahr 1200 erbaut und 1242 erstmals urkundlich als „Leuca" erwähnt. Sie ist eine der wenigen Burgen, die den Mongolensturm unversehrt überstand – verteidigt von einem gewissen Torda im Auftrag König Belas IV. von Ungarn. Die Höhenburg thront auf einem Felsriegel über dem Günsbach auf 368 Metern Seehöhe und gehört zum Typus der romanisch-gotischen Wehranlage.
Im Laufe der Jahrhunderte wechselte die Burg mehrfach den Besitzer: Zunächst im Besitz der Csák, gelangte sie noch vor 1270 durch Heirat an die Grafen von Güssing. 1337 eroberte der Woiwode Stefan Láczkfi die Burg für König Karl I. Robert. 1390 schenkte König Sigismund sie den Kanizsay. 1459 gehörten die Kanizsay zu jenen Magnaten, die in Güssing Friedrich III. zum ungarischen König wählten. 1490 eroberte König Maximilian I. die Burg – die Kanizsay schlossen sich daraufhin dem Kaiser an. Nach dem Aussterben der Kanizsay gelangte die Burg 1535 über die Erbtochter Ursula an Thomas Nádasdy. Unter den Nádasdy wurde das untere Schloss dazugebaut. 1605 widerstand die Burg einer Belagerung durch die Bocskai-Rebellen. Nach der Hinrichtung von Franz III. Nádasdy 1671 („Magnatenverschwörung") wurde die Herrschaft eingezogen und 1676 um 200.000 Gulden an Paul I. Esterházy verkauft. Die Esterházy blieben bis 1968 im Besitz der Burg.
1968 kauften Paul Anton Keller und seine Frau die damals stark verfallene Burg und investierten ihr gesamtes Privatvermögen in die Renovierung. Heute wird die Burg von der „Prof. Paul Anton Keller-Stiftung" verwaltet – seit 1968 flossen rund 22 Millionen Euro in die Restaurierung.
Besonders sehenswert: der gotische Rittersaal mit seinem zweischiffigen Kreuzrippengewölbe, die Burgkapelle mit Fresken aus dem 13. Jahrhundert (die ältesten an einem Profanbau im Burgenland) und der geheimnisumwobene „Kultraum", der Anlass zu Spekulationen über den Templerorden gibt.
Barocke Wallfahrtskirche mit bewegter Geschichte – ein kulturelles Juwel im Ortszentrum.
Die Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Nikolaus thront weithin sichtbar etwas erhöht am Hauptplatz von Lockenhaus. Sie ist den Heiligen Nikolaus von Myra und Nikolaus von Tolentino geweiht und steht unter Denkmalschutz.
Erbaut wurde sie von 1656 bis 1669 im Auftrag von Graf Franz III. Nádasdy, dem Besitzer der Herrschaft Lockenhaus. Der italienische Baumeister Pietro Orsolini aus Mailand schuf eine frühbarocke Kirche mit dem ungewöhnlichen Grundriss eines langgestreckten Griechischen Kreuzes. Das Kirchenschiff ist 18 Meter hoch, der Turm mit seinem charakteristischen Zwiebelhelm ragt 57,5 Meter in die Höhe.
Besonders beeindruckend: der Hochaltar von 1656 mit einem Altarbild der beiden Kirchenpatrone von Georg Kéry (1675), die Rieger-Orgel mit 35 Registern (2003), und die Krypta – die Grablege der Familien Nádasdy und Draskovich. In der Krypta befindet sich auch die verehrte „Schwarze Madonna", eine Halbfigur aus Lindenholz aus dem 17. Jahrhundert, die jahrhundertelang Ziel von Wallfahrten war.
Lockenhaus liegt mitten im Naturpark Geschriebenstein – ein Paradies für Wanderer, Radfahrer und Naturliebhaber.
Der erste burgenländische Naturpark (eröffnet 1996) umfasst rund 8.400 Hektar auf österreichischer Seite. Über 500 Kilometer markierte Wander- und Radwege, der Geschriebenstein (884 m) als höchster Punkt des Burgenlandes und die Margaretenwarte bieten atemberaubende Ausblicke. Alpine und pannonische Klimaelemente sorgen für eine außergewöhnlich vielfältige Vegetation.
Das Freibad am Ortsrand bietet ein 500 m² großes Becken, ein separates Kinderbecken, eine Wasserrutsche, Luftsprudel und eine Liegeinsel. Geöffnet in der Sommersaison – der perfekte Ort für heiße Tage.
Direkt beim Burgsee gelegen: ein moderner Skillpark für Skater, Scooter-Fahrer und BMX. Ein beliebter Treffpunkt für Jugendliche aus der ganzen Gemeinde.
Der Burgenland-Weitwanderweg (WW07) und der europäische Weitwanderweg alpannonia führen durch Lockenhaus. Beliebte Routen: zur Margaretenwarte, auf den Geschriebenstein oder die „Königsetappe" von Rechnitz über den Geschriebenstein nach Lockenhaus (15,8 km, ca. 5,5 Stunden).
Lockenhaus liegt verkehrsgünstig im Herzen Mitteleuropas – gut erreichbar mit Auto, Bus und Rad.
| Wien | 115 km | ca. 1h 15min |
| Graz | 118 km | ca. 1h 30min |
| Eisenstadt | 60 km | ca. 45min |
| Oberpullendorf | 17 km | ca. 15min |
| Sopron (Ungarn) | 35 km | ca. 30min |
Anfahrt über die B55 (Burgenlandstraße). Ab Wien: A2 → A3 → S31 → B50 → B55. Ab Graz: A2 → B50 → B55.
Lockenhaus hat keinen eigenen Bahnhof. Die nächsten Bahnhöfe sind Oberpullendorf (17 km) und Deutschkreutz (25 km).
Buslinien nach Lockenhaus:
Fahrplanauskunft: anachb.vor.at · VOR-Hotline: 0800 22 23 24
Lockenhaus liegt an mehreren überregionalen Rad- und Wanderrouten:
Mobilitätszentrale Burgenland: b-mobil.info · Tel. +43 2682 21070
Von der ersten Besiedlung bis zur modernen Marktgemeinde – ein kurzer historischer Abriss.
Die Gegend um Lockenhaus war bereits in der Steinzeit besiedelt. Illyrer und Kelten errichteten erste Befestigungen. Die Römer gliederten das Gebiet in die Provinz Pannonien ein. Nach der Völkerwanderung siedelten Germanen und Slawen. Eine wichtige Handelsroute – 1225 als „via magna", 1280 als „strata publica" erwähnt – führte von Kirchschlag über Pilgersdorf, Hochstraß und Oberloisdorf nach Güns (Kőszeg).
Der Ortsname wird vom althochdeutschen „Liuko" (einer Koseform eines Personennamens) abgeleitet. Urkundlich belegt sind die Namensformen Leokenhausen, Leuchenhausen und Leukenhaus. Die ungarische Bezeichnung Léka und die kroatische Livka sind bis heute gebräuchlich.
Die Burg wechselte mehrfach den Besitzer: Nach den Csák (13. Jh.) und Güssingern (ab 1270) kam sie 1390 als Schenkung König Sigismunds an die Kanizsay. 1535 gelangte sie über die Erbtochter Ursula an Thomas Nádasdy. Unter den Nádasdy wurde das untere Schloss dazugebaut. Ein Franziskanerkloster in Lockenhaus wurde während der Türkenzüge 1529/1532 vernichtet. Die Nádasdy machten Lockenhaus – neben Sárvár und Deutschkreutz – zu einem Zentrum des westungarischen Protestantismus. Franz III. Nádasdy konvertierte 1643 zum Katholizismus und heiratete Anna Julia Esterházy. Nach seiner Hinrichtung 1671 wegen Beteiligung an der „Magnatenverschwörung" wurde die Herrschaft eingezogen und 1676 um 200.000 Gulden an Paul I. Esterházy verkauft. 1721 umfasste die Herrschaft 28 Orte – von Pilgersdorf bis Unterpullendorf, von Mannersdorf bis Bleigraben.
Schon früh nutzte die Herrschaft den Waldreichtum und die Bodenschätze: Bereits im 15. Jahrhundert gab es am Günsbach einen Eisenhammer (nach ihm ist der Ortsteil Hammer benannt). Später kamen eine Papiermühle (ab 1755, Hadernpapier in Handarbeit), eine Pulverstampfe, ein Ziegelofen, eine Brauerei und eine Sägemühle hinzu. Um 1800 entstand auf dem Hotter von Langeck die Siedlung Glashütten mit einer herrschaftlichen Glashütte. Weinbau gab es im 16. Jahrhundert in Lockenhaus und Rattersdorf, wurde aber bereits vor 1661 wieder aufgegeben.
Im 19. Jahrhundert war Lockenhaus ein bedeutendes Zentrum der Tuchmacherei. Etwa ein Drittel der Bevölkerung war mit der Tuchfabrikation beschäftigt – rund 100 Meister und 150 bis 200 Gesellen. Die Krise der Tuchmacherei führte zu einer Auswanderungswelle nach Amerika.
Die Elektrifizierung setzte in den 1920er Jahren mit dem Bau der Möbelfabrik Johann Braun & Söhne ein. 1954 übernahm die NEWAG, später die BEWAG die Stromversorgung. Der Wasserverband Lockenhaus und Umgebung wurde 1959 gegründet und versorgt heute rund 9.500 Menschen in sieben Gemeinden.
Die Einwohnerzahl lag 1869 bei 2.645, sank bis 2001 auf 2.001 und stieg seither wieder leicht auf 2.046 (2026). Lockenhaus ist seit jeher eine Marktgemeinde – das Marktrecht wurde bereits im Mittelalter verliehen.